Posts tagged ‘kritik’

November 9, 2012

Maybe we just need another chicken

Wenn man den Patienten überzeugt hat kein Getreidekorn zu sein, muss man nur noch das Huhn von der Tatsache überzeugen. Wir belügen uns selbst und wir wissen es. Aber solange man so tut als würde man an den Weihnachtsmann glauben, tun die Kinder uns den Gefallen und tun auch so.

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Oktober 20, 2012

Der große Reibach

Tolle Doku von arte über das Finanzsystem und wie wir dahin kamen wo wir jetzt sind.

Aber hey, was haben wir eigentlich vom Kapitalismus erwartet?

Juli 21, 2012

Lassen Sie es, Sie müssen das nicht machen.

Genderthemen sind nicht unbedingt mein Interessengebiet. Auch in Frauenmagazinen lese ich nicht, außer ich komme zufällig an einer Emma vorbei. Was die taz aber hier beschreibt, bedarf besonderer Beachtung. Wer es noch nicht gemerkt hat, unsere Gesellschaft wird pornografisiert (kann man das so sagen? Wo ist mein Lektor?).

Porno wird in oder Trend, auf jeden Fall immer mehr gedulded und es wird schon länger damit Werbung gemacht. Tanzcafes  und allerlei Veranstaltungen zeigen auf Plakaten nicht nur viel Haut von leicht bekleideten Frauen. Auch der Titel reduziert sich auf Beispielsweise Porn-Party oder Fucking Island Party dabei sind keine Darsteller geladen, sondern Menschen wie wir. Das kennt man ja und ich dachte immer, das es bestimmt weniger würde weil irgendjemand mal die Schnauze voll hat.

Was mich jetzt aktuell aus den Latschen haut sind die Beispiele aus Zeitschriften in der taz (Titel: Frauenmagazine und Sexismus: Faschismus auf Hochglanzpapier). Ich zitiere mal was draus:

In der Juni-Ausgabe [der Jolie] findet sich ein „Blowjob-Guide“, der Fragen zu Oralsex beantwortet: Muss eine Frau stöhnen, wenn sie einem Mann einen bläst, auch wenn sie es nicht so toll findet? Muss sie auch die Hoden lecken? Was soll sie tun, wenn sie beim Blasen einen Würgereiz kriegt? Die Antwort ist nicht: „Lassen Sie es, Sie müssen das nicht machen.“ Sondern: „Üben, üben, üben!“ Der Tipp kommt von einer Julia, die in einem „Edelbordell“ arbeitet. Und „Pornostar“ Mia Magma erklärt: „Viele Männer stehen darauf, wenn es einem die Tränen in die Augen treibt.“

LOLWUT!? Das gibts am Kiosk zu kaufen. Auch für sechzehnjährige, oder jüngere. Die Verkäuferin glotzt vielleicht, denkt aber, dem Mädchen gehts um die Probe Lippenstift. Bah!

Aber kann es sein, dass die Millionen von Frauen, die diese Magazine lesen, völlig fertig und hässlich durch die Welt irren und dankbar lächeln, wenn man ihnen erklärt, wie das denn geht mit dem Leben und so?

Gute Frage. Leider ist der Artikel viel zu kurz für so ein tiefgreifendes Thema.

Natürlich müssen die Pimpertipps nicht gelesen werden. Frau kann sich darüber freuen, dass auch Männerzeitschriften voller esoterisch anmutender Sextipps sind und Männer hinlänglich als hässlich, gar eklig degradiert werden sobald sie mehr als 8% Körperfett rumtragen.

Leider wird das trotz Erniedrigung gelesen, man/frau möchte ja endlich richtig sein um glücklich zu werden. Vor allem, wenn es um Sex- oder Schönheitstipps geht. Einen interessanten Einblick in die Themen, auch der Pornografisierung, gab es auf der re:publica in diesem Jahr. Make Love Not Porn – Website und Vortrag:

April 6, 2012

Das Internet ist da II

Neue Demos gegen ACTA geplant! 9.6.2012, bitte hingehen. Es geht auch um Dein Internet, also kümmere Dich darum! Falls ACTA schon wieder aus dem Gedächtnis (LOLWUT?!) verschwunden ist, hier gibt es nochmal die Infos über ACTA und von den letzten Demonstrationen. Ich hoffe, wir können dieses Mal wieder bei strahlendem Sonnenschein demonstrieren. -12 Grad wird es auf jeden Fall nicht geben.

Warum Datensammelwut (und „ich habe doch nichts zu verbergen„-schnöseln) uns letztlich doch das Genick brechen kann (oder schon gebrochen hat, neue Verschwörungstheorie) sehen wir schön visualisiert von der Zeit. Malte Spitz stellte 6 Monate seiner Vorratsdaten zur Verfügung. Man stelle sich vor, wie genau die Provider über Kanzlerin oder Bürgermeister bescheid wissen.

Es gibt mal wieder keine Gefahr für die Bevölkerung: In Frankreich brennt es im AKW Penly. Es ist wohl Öl ausgetreten das brannte, die Feuerwehr war da, man hat das AKW runtergefahren. Aber die Anlage sei sicher. Heute früh um neun Uhr schrieb dann die Zeit, das Radioaktives Wasser ausgetreten sei. Bereits 2007 gab es Probleme mit dem AKW, man bemerkte bei einer Routinekontrolle, dass die Notkühlanlage defekt war. Und im September ist ein Ofen einer Verbrennungsanlage explodiert, in Penly.

Wer sich jetzt Sorgen macht, alles halb so schlimm, die USA buchten die Konkurrenz (auch unsere) ein. Und sie möchten gerne Nuklear-getriebene Drohnen bauen. Dann muss man die blöden Bösen nur noch per Fernbedienung jagen. Das ist der wahr gewordene, feuchte Traum eines Nerds am falschen Platz.

Meanwhile in Germany: die Kontentmafia versucht Jugendlichen und Eltern mit einem Flugblatt das Hirn zu waschen. Weiß jemand wo das überall verteilt wurde? Naja, jedenfalls dürften wir diesen Sommer mehr freie CC-Musik hören, denn die GEMA verschlimmbessert ihr Tarifsystem.

Ansonsten fliegt uns vielleicht eine Gasplattform um die Ohren, oder das Leck blubbert weiter vor Schottlands Küste dahin. Alle müssen sparen, auch die Energievermarkter, da müssen wir jetzt alle an einem Strang ziehen. Auch die Tiere, die dort leben, ist schließlich auch ihr Planet und für den reißt man sich gerne mal am Riemen. Gell, ihr Tiere?

Da möchte man sich doch zum Bundeswehr-Krypton in die Asse legen und in Embriohaltung zusammenrollen, warten bis die Welt wieder normal ist. Oder man schreibt sowas tolles wie Bettina Gaus.

Na, positive Nachrichten immer ans Ende (das Wetter gibt ja nichts her): einen schönen Ansatz als nutzbaren Gegenentwurf  zu Facebook, eDonkey und zentraler Datensammelwut bietet RetroShare. Einen kleinen Abriss dazu und zur Saugstubengeschichte der letzten Jahre hat Telepolis parat. Wenn die Gurtpflicht für die Datenautobahn eingeführt wird, dann machen halt alle I2P, oder Freenet, das wird dann auch schneller :-)

Auch positiv: der Landesbeauftragte für den Datenschutz Baden-Würtemberg hat einen öffentlichen Schlüssel auf seiner Seite liegen und warnt davor, dass E-Mails im Netz gelesen werden (können). Warum machen das nicht alle Behörden? Dank PGP/GnuPG könnte man auf so manche Funktion des unsicheren neuen Personalausweises verzichten. Die User wären trotzdem selbst verantwortlich und es wäre viel preiswerter.

Oh, was ist eigentlich mit Syrien & Iran?

März 30, 2012

Der Streit um das Urheberrecht

Erst ereifert sich ein wohl seinerzeit beliebter, deutscher Musiker über seine Fans, bzw. die immer-böse Netzgemeinde (wir sind schuld, hier, ja – hier drüben – hallo!), Piraten und was noch alles. Und im Anschluß kommen 51 Tatortautoren auf die Idee einen offenen Brief an …(wen?) zu schreiben den ich jetzt auch nicht zitieren möchte. Wer weiß was die unter Urheberrecht verstehen. Glücklicherweise haben wir noch den CCC, neusprech.org, die Digitale Gesellschaft, netzpolitik.org und viele andere. Bevor ich jetzt was zusammenfasse und die ersten Links poste möchte ich dazusenfen, wo meiner Meinung nach der Hund begraben liegt.

Der Freund eines Freundes erzählte vor kurzem, er sei jetzt im Usenet. Für €25 im Monat kann er sich alles ziehen was das Herz begehrt. „Toll!“ sagte sein Kumpel „würdest Du das auch bezahlen wenns legal wäre?“. „Klaro.“ meinte der. Das Gespräch ging dann noch weiter und sie waren sich einig, dass man natürlich nur so viel Medien brauch, wie man auch konsumiert. Hat man erstmal die Lieblingsmusik, brauchts nicht noch mehr davon, höchstens die neuen Alben. Bei Filmen ist es so ähnlich. An Weihnachten halt die (immer gleichen) Märchen, im Sommer keine, außer es regnet. Trotzdem, €25 jeden Monat.

Jetzt stellen sich zwei Fragen: soll man für jedes Mal hören abrechnen? Wann ist die Kuh genug gemolken? Wenn ich einen Wasserhahn produziere, und davon leben will, muss ich dann jedes Mal wenn jemand da Wasser durchlässt was bekommen? Wenn es ein schöner Wasserhahn ist, reicht dann schon ein Blick darauf um mich zum Gläubiger zu machen? Ich glaube, aus solchen Gedanken ist die Wortschöpfung Contentmafia entstanden: „Schöne Bar (Wasserhahn) hier, wäre schade wenn etwas kaputt geht! Wir bieten Dir Schutz für Deine Bar (Wasserhahn). Du musst uns nur einen Teil Deiner Einnahmen abdrücken…“.

Zu den Begriffen: es geht um Content und sog. geistiges Eigentum, Kostenloskultur, die Netzgemeinde, die Kreativwirtschaft, die Raubkopie und die (sollte uns das Wortmoster tatsächlich überrollen) Rundfunkservicezentrale

Schockierend, nach den ACTA-Protesten quer durch Europa: ZDF und ARD für ACTA und Privatisierung der Rechtsdurchsetzung die würden sogar ein Two-Strikes-Modell unterstützen! Wissen die, was sie da tun?

Fällt das nur mir auf? Der offene Brief der 51 Tator-Stiftschwiger ist von den Begriffen her dem Regener-Rant sehr ähnlich, kam ja auch kurz danach. Aber eben diese Wörter finden sich nicht im normalen, täglichen Netzgebrauch, nicht in dieser Form. Gibt es eine Zombifizierung mit bisher unbekannten Contentviren? Wenn ja, die 51 Kreativen des CCC sind nicht angesteckt worden und warscheinlich gut geimpft. Aus deren Brief zitiere ich daher gerne:

Liebe Tatort-Drehbuchschreiber,

mit Freude nehmen wir – ganz kess als Vertreter der von Euch angeprangerten „Netzgemeinde“ – Euer Interesse [1] an unseren Gedanken zu einer Versachlichung der Diskussion über Urheber- und Urheberverwertungsrechte im digitalen Zeitalter wahr. Bevor wir aber unnötig gleich zu Beginn Schubladen öffnen: Auch wir sind Urheber, sogar Berufsurheber, um genau zu sein. Wir sind Programmierer, Hacker, Gestalter, Musiker, Autoren von Büchern und Artikeln, bringen gar eigene Zeitungen, Blogs und Podcasts heraus. Wir sprechen also nicht nur mit Urhebern, wir sind selber welche.

[…]

Das Tragische (im griechischen Sinne) ist doch, daß wir beide Opfer des Verwertungssystems sind. Ihr schuftet Euch seit Jahren für die Verwertungsindustrie ab und habt so viele Eurer Rechte weggegeben, daß weder Ihr noch Eure Nachfahren von der verlängerten Urheberrechtsschutzfrist etwas haben. Das ist bloß ein Verhandlungsmittel, mit dem Ihr zu reduzieren hofft, wie doll Euch die Verwertungsindustrie abzockt. Wir kämpfen eigentlich auf derselben Seite, aber Ihr merkt es nicht einmal.

[…]

Anstatt Euch an den Konsumenten gütlich zu tun, solltet Ihr Eure Anstrengungen darauf konzentrieren, für Eure Werke direkt vom Auftraggeber ordentlich entlohnt zu werden. Was Ihr braucht ist eine den Namen verdienende, starke Gewerkschaft, kein Monster aus Verwertungsgesellschaften, die dann Youtube langjährig verklagen, weil sie kostenlos Werbung für Euch machen und Euch damit zukünftige Aufträge verschaffen. [2]

[…]

Die Verkürzung eines Schutzrechts ist dabei auch nur eins der Werkzeuge, um gerade Euch (oder besser gesagt Euch und uns) Fallstricke beim Ausüben unserer Berufe auszuräumen. Gerade Ihr solltet doch – bei der recht dünnen Menge potentieller Krimiplots [3]– verstehen, daß Plagiatsanwürfe beim Verwenden von Versatzstücken zu einem horrenden Minenfeld werden. Wir (jetzt in einer Rolle) als Softwareurheber bewegen uns seit zu langer Zeit schon in genau jenem Software-Trivialpatente-Minenfeld, wir verstehen ganz gut, wohin der Zug geht.

[…]

Sir Arthur Conan Doyle schrieb dazu: »Wenn jeder Autor, der ein Honorar für eine Geschichte erhält, die ihre Entstehung Poe verdankt, den Zehnten für ein Monument des Meisters abgeben müßte, dann ergäbe das eine Pyramide so hoch wie die von Cheops.«

Das von Euch als gottgegeben hingestellte sogenannte „geistige Eigentum“ ist bei näherem Hinsehen eine Chimäre jüngeren Datums, gerne als unsachlicher Kampfbegriff angeführt, um gewisse grundsätzliche Diskussionen zu vermeiden.In den letzten Jahren sind dazu viele – auch sehr ausgewogene – Kommentare verfaßt worden. [4]

Daß einige Verwertungsgesellschaften mit dem simplen Fakt überfordert sind, das Kopieren von Werken nicht verhindern zu können, ändert nichts an der Tatsache, daß früher wie jetzt eine grundsätzliche Bereitschaft besteht, Kulturdienstleister angemessen zu entlohnen. Wo es Wege gibt, streßfrei und ohne Gängelungen Werke zu fairen Konditionen zu beziehen, werden diese ausgiebig genutzt, seien es App-Stores für Mobiltelefone oder „Music Stores“ mit einfachen Bezahlmodellen. E-Book-Geschäfte sind ebenso gerade im Kommen, hakeln allerdings wegen der unausgereiften DRM-Technologie ein wenig. In der Netzgemeinde werden über moderne Konzepte wie „Flattr“ sogar einzelne Wortbeiträge in Blogs oder für Podcasts entlohnt. (Beispiel: [5])

[…]

Gerade Ihr als Tatort-Autoren, deren Brötchen zum großen Teil über die Rundfunkgebühren bezahlt werden, solltet wissen, wie sich eine Kulturflatrate anfühlt. Hier hungern Urheber nicht. Aber gerade diese Verwertungsgesellschaft, die Eure Tatort-Drehbücher entlohnt, ist das beste Beispiel, wie sich ein verselbständigter Wasserkopf mehr und mehr der eigentlich Euch zustehenden Anteile am ausgestrahlten Werk einverleibt. Hand hoch, wieviele von Euch sind festangestellt? Wieviele wurden in den letzten Jahren durch Vertragsveränderungen bei den Landesmedienanstalten auch noch der Zweitverwertungsrechte im Netz beraubt? Na, und wie fühlt sich der Blick in Eure Buy-Out-Verträge an, wenn Ihr ehrlich seid? Stockholmsyndrom?

[1] Offener Brief von 51 Tatort-Autoren

[2] Kulturwertmark

[3] http://www.zeit.de/2012/13/Krimi-Tatort/komplettansicht

[5] CRE (früher Chaosradio Express)

Das sitzt. Danke Leute! Vielleicht versteht dann der eine oder andere Leser, dass und wie, die CM Nutzer und Autoren gegeneinander ausspielt! :-)

Es wird einem aber auch gesagt wenn man dort arbeitet. Ich komme ja ursprünglich aus der Medienbranche, bin als Jobanfänger von Live-Musik über Theater, Tonstudio und Film ins Fernsehen geschliddert. Da gibt es nicht nur Gewinner. Eigentlich gibt es sehr viele Unterbezahlte die um ihren Job fürchten – fast jeder bekommt seit Jahren das gleiche Geld. Es ist allerdings auch üblich in der Branche, schon dem Nachwuchs dieses Leben als schmackhaft anzudrehen. Was bleibt einem übrig? 15 Jahre Kamera, nie eine Festanstellung, 2 Kinder. Ob du dann für das Geld am Band stehst oder deinen (ehem.?) Traumberuf ausübst (trotz aller Rückschläge, verspätet bezahlten Rechnungen, mieser Spesen und Preisdrückerei)…!? Und dann hast du ja noch deinen eigenen Film im Kopf, den wolltest du schon lange angehen.

Auf jeden Fall weder leicht noch gerecht. Und da kommt dann einer von denen die es geschafft haben und macht schlechte Stimmung wegen den Raubkopierern, sorry, wegen der Kostenloskultur. UND DU WEIST ES JA WEIL DU DAS GEIZGEILE WERBEVIDEO GEDREHT HAST. LOLWUT?? Mir würde da auch der Kragen platzen. *hust*

Also, zusammengefasst kann man sagen, dass viele der Opfer der Contentmafia (Autoren) gerne eine Kontrolle des GBI (großen bösen Internetz) hätten, damit jeder für ihre Kreativität bezahlen muss. Oder niemand mehr ohne bezahlen rauskommt. Diese Form der Kontrolle würde in einer überdimensionierten, privaten (providerseitigen) Überwachungsinfrastruktur münden. Ohne sowas geht das nicht. Jeder einigermaßen geradeaus denkende Mensch müsste sich allerdings fragen, was das bedeutet, wenn jeder Internetanschluß immer überwach werden soll. Vor allem, wenn die Kreativen die letzten sind, die was davon haben. Denen wird doch nur noch ein Märchen aufgetischt, warum sie am langen Arm verhungern müssen.

Zum Schluß lasse ich einen Auszug aus einer Meldung von Netzpolitik.org stehen:

Heise.de liegt ein Sachstandsbericht der Europäischen Kommission vor, der sich mit der voraussichtlichen Unterzeichnung und Ratifizierung des stark umstrittenen Anti-Piraterie- und Urheberrechtsschutz-Abkommens ACTA befasst. Der Inhalt deckt sich mit unserer Berichterstattung und Analyse:

Der Bürgerprotest wird als “aggressive pan-europäische Kampagne” gegen ACTA bezeichnet, “die von einer demokratisch nicht legitimierten Internetgemeinde getragen werde”. ACTA dürfe laut EU-Kommission nicht scheitert, “da dies ein gefährliches Signal zur Glaubwürdigkeit der Europäischen Union aussenden werde. Auf keinen Fall dürfe man dem Druck der Internetgemeinde nachgeben. Schließlich seien sämtliche Einwände gegen ACTA unbegründet.”

Im Grunde nichts neues, der schönste Satz ist aber: “Wenn ACTA scheitere, sei dies die Schuld der Internet-Gemeinde.”

Zum Thema unbegründete Einwände haben wir gestern nochmal eine kleine Broschüre zum Internetkapitel veröffentlicht. Wir sehen das natürlich anders.

Guten Abend!

Edit (1.4.2012):

1. Schöner, knapper Artikel auf heise, der das Thema zusammenfasst.

2. Außerdem gab es einen Angriff von rechts hinten. Die Contentverwehrter gaben Flugblätter an Schulen heraus. Dem (von mir so herbei gewünschten) aufgeklärtem Bürger nutzt das wenig. Außerdem stehen teilweise falsche Informationen drin. Man begibt sich dank Eigenlob und vielleicht auch Arsch-auf-Grundeis auf ebenfalls sehr dünnes Eis (passend zu den ersten Sonnentagen!).

März 6, 2012

Kernkraft – was haben wir uns da eingebrockt?

Ich bin ja Strahlenschutzbeauftragter und einer meiner indirekten Nachbarn ist ein AKW – daher pflege ich ein natürliches Interesse an Röntgenstrahlung. Richtiger Umgang mit Kernenergie ist für mich allerdings keineswegs das Betreiben eines AKWs.

Deutsche Atomkonzerne:

Wie Uran abgebaut wird, Yellowcake:

Wie ein Unfall aussehen kann, Tschernobyl:

Wie ein Unfall aussehen kann, Harrisburg:

Alternativlos Podcast, Frank und Fefe im Gespräch mit Michael Sailer zu Fukushima und einer kleinen Einführung in die Kernkraft:

Alternativlos 14

Die Asse, das unlösbare Problem:

Into Eternity (Trailer), Film über das Bauprojekt eines Endlagers namens Onkalo:

Firmenvideo wie das Onkalo-Endlager funktioniert hier, BBC Artikel von 2006 hier.

News über Castortransporte in Deutschland:

CastorTV, Castorticker

Wenn man da durch ist fragt man sich schon, warum wir das überhaupt machen. Die Frage, wie sauber diese Technik ist hat sich ja schon erledigt. Noch eine Frage wäre: wenn sich unsere Medienlandschaft schon mit dem Thema auseinandersetzt, warum dann nur auf Spartenkanälen und 1x im Schaltjahr? Nach den Unfällen die nur alle xtausend Jahre auftreten sollen aber in den letzten 35 Jahren mindestens 3 schwere zu verzeichnen waren, fragt man sich, ob da nicht was schief lief, bei der Berechnung der Sicherheit.

Edit: Soeben lese ich bei Fefe:

Aus der beliebten Kategorie „bei UNS ist Atomkraft SICHER“: Durchgerostete Atommüllfässer sind nicht meldepflichtig, findet Vattenfall.

Es geht in dem verlinkten Artikel auf n-tv darum, dass im AKW Brunsbüttel durchgerostete Atommüllfässer gefunden wurden. Der Betreiber Vattenfall/Eon hatte das laut Unterlagen schon am 15. Dezember festgestellt, aber erst jetzt sei dem TÜV bei einer Routinekontrolle ein leeres rostiges Fass aufgefallen. Da schaut man natürlich genauer hin, als TÜV. Die Betreiber aber waren nicht der Meinung die Atomaufsichtsbehörde informieren zu müssen. ZOMG! Und ein goldenes Zitat aus dem Artikel:

Er [Schleswig-Holsteins Justizminister Emil Schmalfuß] empfehle außerdem Kontrollen in allen Atomkraftwerken bundesweit, weil auch dort Fässer zu Zeiten eingelagert wurden, als niemand damit rechnete, dass ein Endlager Jahrzehnte später immer noch nicht verfügbar sein würde.

Na, Aber Hallo!

Edit 2:

Frontal 21 zur Atomstromlüge

Edit 3 (29.3.2012):

Die taz berichtet (und auch aus der faz wissen wir), dass Reaktorblock 2 in Fukushima fröhlich vor sich hin strahlt. Viel stärker als erwartet. Etwa 30 – 70 Sievert pro Stunde (!!1!) registrierte die Sonde, die man am Dienstag in den Reaktor einführte. Wir erinnern uns: Reaktor 2 ist der Reaktor, der äußerlich am besten wegkam. Die Zustände in den Reaktoren 1 & 3 waren im Vergleich immer schwerwiegender.

Was die Japaner können, können wir schon lange (die bauen ja eh bloß alles nach): AKW Brokdorf geht vom Netz, wegen gebrochenen Haltefedern von Kernelementen. Ach ja.

Edit 4 (1.4.2012):

1. Apropos ach ja: Telepolis berichtet, dass den AKW-Betreibern der Atomstrom zu billig sei. Er müsste 2 Cent/kWh teurer sein als Windkraft, sonst lohnt sich das nicht. Ach so.

2. Das AKW Brokdorf ist überflüssig. Man erinnere sich an die abgebrochenen Federn (s. o.) – jetzt hat die schleswig-holsteinische Atomaufsicht beschlossen, dass es übers Wochenende vom Netz geht. Auf Telepolis sehen wir schön dargestellt, dass an der Leipziger Strombörse es keine Rolle spielte, als das AKW am Mittwoch vom Netz ging. Der Strombedarf konnte mit alternativen Energien ausgeglichen werden. Außerdem wird nochmal auf die Gefahren und die letzten Zwischenfälle eingegangen. Natürlich besteht keine Gefahr für die Bevölkerung. Natürlich.

Weitere aktuelle Infos zur Kernkraft, bitte posten!

Februar 16, 2012

Die ACTA Polizei ist da

Am 11.2. gingen in ganz Europa ACTA-GegnerInnen auf die Straße. Bei strahlendem Sonnenschein und klirrender Kälte (-12°C in Stuttgart) demonstrierten hunderttausende gegen das Handelsabkommen. Interessant fand ich, dass etwa 80% unter 30 Jahre alt waren. Wann hatten wir das Wahlrecht ab 16 zuletzt diskutiert? Ganz unten gibt es ein paar Impressionen von den friedlichen Protesten in Stuttgart.

Im Metronaut wird eine interessante Strategie des weiteren Vorgehens vorgeschlagen: anstatt ruck-zuck noch mehr zu demonstrieren, lieber Pacman live in der City spielen (in der ACTA-2012 Version). Oder andere Aktionen durchführen, mit Kollegen reden, Freunde überzeugen um, wenn wir es müssen, nochmal und gestärkt auf die Straße zu gehen.

Ich konstruiere mal ein Überzeugungsbeispiel: Die Tochter des Freundes den ich überzeugen will hat ihm ein Youtubevideo gezeigt, einen Vortrag den sie an der Uni hielt. Er findet das total stark und ist wahnsinnig stolz. Ohne den Schwung aus dem Gespräch zu nehmen sag ich: „da kannst Du froh sein das sowas noch nicht illegal ist!“ Die weitere Argumentation könnte dann über die Uni laufen oder über die Musik am Anfang, das Logo der Uni usw.

Was mir noch Kopfzerbrechen macht sind die jungen Internetausdrucker. Facebook weiß alles und „ich hab doch nichts zu verbergen“ (wirklich? Dann schick mal alle Fotos Deiner Beziehung und alle Mails dazu). Aaaber, die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich surfe ja gern mit Tor, klicke ein bisschen im i2p rum und habe einen kompletten Freenet-Installer im Backup – obwohl ich nur derzeit legale Sachen mache (ändert sich ja hin und wieder). Mir geht es hauptsächlich darum, der Datenkrake zu entfliehen. Streuung meiner Netzzeit auf verschiedene Kanäle macht es schwerer zu folgen und Profile zu erstellen.

Schön ist das ACTA Domino (aus welchem Film ist das Bild?) welches derzeit ganz Europa umwirft, die HolländerInnen haben gestern die Lust verloren. Außerdem (via Fefe) sollten wir uns besinnen und mal überlegen wie das überhaupt sein kann das sowas wie ACTA durchkommen konnte. Wo ist da unsere Demokratie? Hm? Zum Glück funktioniert sie auf der Straße, wir sollten dieses Mittel mit Bedacht nutzen.

ACTA ad acta Demos quer durch Europa!

Wo wir grade beim Thema freies Netz sind. Da wäre noch zu erwähnen das einige echt genervt sind von unseren Protesten und jetzt heimlich rumnörgeln. Auch für Informationen wie diese brauchen wir das freie Internet! Klar kann frau davon ausgehen das immer jemand was schlecht findet – aber ohne entsprechende Leaks hätte man uns das Netz unterm Arsch wegzensiert. Und wir hätten das erst gemerkt wenn die 2000€ Facebookmaschine nur noch den Weg zum iTunesstore gefunden hätte.

Um nochmal auf die Zensur einzugehen und die entsprechenden Argumente: Sandro Gaycken hielt einen interessanten Talk auf dem Chaos Communication Camp 2007 gegen Überwachung bzw. über handfeste Argumente dagegen. Die sind deutlich straffer als „hmnajah, ich mag das halt nicht wenn jemand zuguckt“. Wer mir noch Diskussionsfutter liefern will, nur zu. Ich rede auch gern mit Menschen über Internetverhalten.

Also: lieber mal runterladen und dauerhaft nutzen, wer weiß wie den anonymen Netzwerken an den Karren gefahren wird oder was gerade in Hinterzimmern beschlossen wurde. Zu stoppen sind die Netzwerke jedenfalls nicht mehr :-) Beim Ziehen der Programme ist Achtsamkeit angebracht. Es wurden schon kompromittierte Tor-Browser auf zwielichtigen Webseiten zum Download angeboten. Also immer schön auf der richtigen Webseite ziehen. Am besten per SSL, das ist nicht ganz so leicht zu attakieren wie das normale http. Zum Abschluss: Wem das scheißegal ist der/die überlege sich, wie schnell die Existenz bedroht ist, sollte man beispielsweise als Kinderpornofan dargestellt werden (bei einer Hausdurchsuchung morgens um 6:30 Uhr).

Januar 26, 2012

Uns kann das nicht passieren – oder?

Im Kurzfilm Der Gefährder wird die Geschichte von Andrej Holm (engl.) gut wiedergegeben, einem Sozialwissenschaftler der auf Verdacht überwacht, ausspioniert und verhaftet wurde. Ich zitiere kurz die Wikipedia dazu:

Am 31. Juli 2007 wurde Holm wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verhaftet. Ihm wurde vorgeworfen, Mitglied der zum Zeitpunkt der Verhaftung von der Bundesanwaltschaft als terroristisch eingestuften militanten gruppe (mg) zu sein[9].

Der Verteidigung Holms zufolge leiteten die Strafverfolger die konspirative Natur dieser beiden Treffen aus der Vermutung ab, dass Holm dabei „möglicherweise“ kein Handy mitgeführt habe.[10] Nach Angaben der Bundesanwaltschaft wird der konspirative Charakter der Treffen jedoch insbesondere aus der Form der Verabredung der Termine über Nachrichten in anonymen Mailaccounts, die bei Besuchen in Internetcafés hinterlassen wurden, hergeleitet.

Wenn es nicht so bitter wäre, wäre eine Lachnummer. Natürlich überlegt man sich gleich, welche der ehemaligen Mitbewohnerinnen oder Klassenkameraden (darf ich Kamerad schreiben? Bin ich jetzt verdächtig??) zwielichtige Kontakte haben könnte. Denn allein der Verdacht überwacht zu werden reicht um unser Verhalten zu verändern (Link zu der Studie, come at me, bro!).

Weitere Infos zu

Tipp für nebenher ist die (Kurz-)Filmereihe Deutschland 09 http://www.deutschland09-der-film.de

Und… ja – es kann auch hier passieren!

Januar 26, 2012

Satire Fundstücke

Folgendes kann man an einem guten Tag finden. Darüber den Kopf schütteln dauert etwas länger :-)

 

 

 

 

 

 

 

Januar 8, 2012

Politik hacken, zwei Filme, viele Beispiele

Die Yes-Men regeln die Welt. Die Yes-Men sind zwei (?) etwa 300 sehr sympatische Politikhacker und man sollte, auch ohne Interesse am Hacken oder an Politik diesen Film gesehen haben. Neben der Politik werden auch die Medien gehackt: mit falschen Websites lassen sich die Yes Men auf Pressekonferenzen und zu Live-Schalten einladen, sprechen stellvertretend für große Konzerne und bringen sie in die unangenehme Lage angekündigte gute Taten öffentlich zu revidieren. (deutsche Version von arte)

 

Anschließend eine interessante Stunde Vortrag Politik hacken mit humorvollen Beispielen vom 28c3. Gut durchdacht zeigen uns Alexander Müller und Montserrat Graupenschläger wo es überhaupt Ansatzpunkte gibt, was gemacht wurde und welche Effekte Öffentlichkeit haben kann. (auf deutsch vom 28c3)